sarahszweifel

Sarah’s Zweifel

Die Studentin Sarah will sich nach dem Autounfall ihrer Eltern, um das Haus der Eltern kümmern. Die Mutter ist gestorben und der Vater liegt im Koma. Dabei entdeckt sie Hinweise darauf, dass der Unfall möglicherweise ein Mordanschlag war. Sie beginnt im Vorleben ihres Vaters zu recherchieren. Dabei hilft ihr der gleichaltrige Kurde Deniz, der sich in sie verliebt. Aber zunächst kann sich Sarah nicht auf ihn einlassen, ihre Blockierung löst sich erst, als sie mehr über den Vater erfährt, der gewissermaßen ein Doppelleben führte.

1.    Zimmer SARAH                                                                            Innen/Tag

Ein schlicht, aber geschmackvoll eingerichtetes Zimmer. Die 22jährige SARAH BERGHOFF betrachtet sich flüchtig im Spiegel und korrigiert ein wenig die Frisur. Sie ist recht ansehnlich, aber dezent gekleidet und geschminkt. Schließlich steht sie unentschlossen vor zwei Paar Schuhen: Pumps und bequeme Halbschuhe. Sie entscheidet sich für die Halbschuhe und geht aus dem Zimmer.

2.    Arbeitszimmer BERGHOFF                                                          Innen/Tag

Das Arbeitszimmer hat mehrere Bücherregale. Wir sehen Titel wie: „Risks and Security“, „International Conflicts“, „Revolution and Human Rights“. Neben den Regalen asiatische Skulpturen. An den Wänden einige japanische Aquarelle. BERGHOFF starrt nachdenklich auf den PC-Monitor, reibt sich am Kinn. Im Hintergrund läuft ein Stück von Paolo Conte -Aquaplanic. Er zieht an seiner Pfeife. SARAH öffnet die Tür und räuspert sich, da er sie nicht bemerkt hat.

BERGHOFF
Sarah! Schön, dich zu sehen. Tut mir leid, dass ich heute noch arbeiten muss. Dein letzter Tag!

SARAH
So kann ich noch eine Klavierstunde nehmen. Ist schon recht.

BERGHOFF
Brauchst du diesen Heidfeld eigentlich noch? Du spielst bestimmt schon besser als er.

SARAH
Dad! Dazu bräuchte ich noch Jahre.

BERGHOFF
Na, wenn es dir noch Spaß macht.

 SARAH
An was arbeitest du gerade?

BERGHOFF
Das Übliche. Jemand braucht dringend ein Gutachten, damit er eine Exportzulassung für das Land erhält.

SARAH
Was ist, wenn du dich irrst?

 BERGHOFF
Ich darf mich nicht irren.

 SARAH
Was täte die Welt ohne dich?

BERGHOFF
Dann würde es jemand anders machen.

SARAH gibt ihm einen Kuss auf die Wange und schielt dabei auf den PC. Sie grinst, als sie, als sie ein harmloses Spiel sieht.

 SARAH (weiter)
Ciao, Dad. Bis heute Abend.

BERGHOFF
Ja, jetzt wärst du beinah Geheimnisträgerin geworden.

SARAH geht und BERGHOFF öffnet wieder die Textseite, an der er gearbeitet hat. Wir sehen die Überschrift: „Sicherheitsbedenken“. Er tippt: „Nach ausführlicher Prüfung der politischen Infrastruktur der Regierung kann …“ Seine Hände groß.

 

3.    Zimmer  Heidfeld                                                                Innen/abend

Groß: SARAHS Hände spielen auf einer Klaviertastatur. Sie lächelt leicht entrückt.
Der Klavierlehrer HEIDFELD, etwa im Alter ihres Vaters, steht neben ihr und nickt zustimmend. Sie beendet das Stück. HEIDFELD legt seine Hand auf ihre Schulter.

HEIDFELD
Das hatte Klasse Sarah!

SARAH streichelt seine Hand.

SARAH
Danke.

SARAH lehnt ihren Kopf an seine Hüfte und lächelt ihn an. Er beugt sich hinunter und küsst sie auf den Mund.

 

4.    Schlafzimmer Heidfeld                                                      Innen/abend

SARAH und HEIDFELD liegen im Bett. Sie fährt mit dem Zeigefinger über seine nackte Brust.

HEIDFELD
Es ist ein Jammer, dass es wieder vorbei ist.

SARAH
Zu den Feiertagen bin ich wieder da. Sind doch nur vier Wochen.

HEIDFELD
Aber in der Uni lauern jede Menge Gefahren.

SARAH
Ach, und welche?

HEIDFELD
Junge Kommilitonen. Sportlich, modisch, gut aussehend und vielleicht sogar intelligent.

SARAH
Ich denke, die letzte Gefahr dürfte die größte darstellen. So ein kleiner Überflieger könnte mich schon reizen.

HEIDFELD
Sarah – ich meine es ernst. Sollen wir unsere Beziehung nicht auf eine feste Basis stellen?

SARAH (fühlt sich geschmeichelt)
Nun werd’ nicht sentimental. Wir haben eine Vereinbarung: Keine Verpflichtungen.

HEIDFELD
Wirklich nicht?

SARAH
Ich kann mir nichts anderes vorstellen.

HEIDFELD dreht sich weg.

HEIDFELD
Bin ich dir zu alt?

SARAH
Nein, das weißt du. Jetzt hör auf! Du bist genau der Richtige. Aber ich muss leider …

Sie betrachtet ihn zärtlich, streicht ihm sanft über die Wange und steht auf. Sie streift sich einen Morgenmantel über. Auch Heidfeld steigt aus dem Bett.

HEIDFELD
Sarah, nun warte doch.

SARAH
Ich melde mich aus Hamburg.

Sie geht zur Tür.

SARAH (weiter)
Außerdem bist du verheiratet!

 

5.    Strasse Kleinstadt                                                           Aussen/abend

SARAH fährt auf einem Fahrrad durch die menschenleere Strasse eines gutbürgerlichen Viertels. Sie wirkt traurig.

6.    Vor Garage Villa BERGHOFF                                 Aussen/abend

SARAH stellt ihr Rad in die Garage und schließt das Garagentor. Sie bleibt davor stehen, blickt unschlüssig zum Hauseingang, setzt sich auf den Boden, winkelt die Beine an und lässt den Kopf auf die Oberschenkel sinken, mit den Händen umgreift sie die Knie.

 

7.    Bahnhof Kleinstadt                                                        Aussen/morgen

SARAH und BERGHOFF stehen auf dem Bahnsteig und sie streicht über das Revers seiner Anzugsjacke.

 SARAH
Vielen Dank, fürs Bringen, Dad.

BERGHOFF
Keine Ursache. Schade, dass es vorüber ist.

SARAH
Ja, das finde ich auch. Aber du willst ja, dass aus mir etwas wird.

BERGHOFF
Habe ich das so gesagt? Willst du es nicht auch?

SARAH
Was müsste eine brave Tochter jetzt antworten?

BERGHOFF
Einfach: ‚Ja!’

SARAH
Danke für den Tipp!

Beide lachen.

BERGHOFF
Dabei erschauere ich vor den Abgründen, die sich vor dir in der Großstadt auftun werden.

SARAH
Oder, die ich auftun werde!

BERGHOFF (lächelt und nimmt sie in die Arme)
Pass auf dich auf, Kleine!

SARAH
Du auch, Großer! Was machst du denn heute noch?

BERGHOFF
Tagsüber werde ich noch arbeiten, abends hole ich dann Mutter aus der Klinik ab. Dann machen wir einige Tage Urlaub.

SARAH
Grüß Mutter von mir und erholt euch gut.

BERGHOFF
Mach ich.

Der Zug fährt ein.

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