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Between the lines

Als junges Mädchen erlebt die Katholikin Maura Keane die Entstehung der Troubles in Nordirland. Als ihr Vater während der Unruhen getötet wird, holt ihr Onkel Donald Keane sie nach Deutschland, wohin er Ende der 50er Jahre emigriert ist. Maura wächst behütet in Hamburg auf und kehrt erst nach dem Abitur nach Irland zurück. Als die britische Regierung beim ersten Hungerstreik der IRA-Häftlinge einlenkt, glaubt Maura, dass der Frieden in greifbarer Nähe ist. Doch sie täuscht sich leider und sieht keinen anderen Weg, als sich selbst auf Seiten der IRA zu engagieren. Dann wird Donald Keane in Deutschland ermordet. Maura geht in Irland den Untergrund, aber der Partner Keanes, Richard Füllenbach, macht sich auf, um sie in Irland zu finden. Er hat ein persönliches Interesse, da er viel für sie empfindet.

 

Vorgeschichte

Nordirland, Derry, 1958

Die Hochzeit von John Keane und seiner Frau Rosemary wird traditionell gefeiert.
Am Tag nach der Feier nimmt Donald Keane seinen Bruder John zur Seite und teilt ihm seinen Entschluss mit, das Land zu verlassen. Hier im Norden könne man nichts werden, wenn man katholisch sei und im Süden gäbe es nur Schafe. John antwortet, jeder, der weggehe, verfestige die Macht der Protestanten. Sie streiten.

Fotosequenz:

Donald Keane geht nach Deutschland und schafft es innerhalb einiger Jahre in Hamburg den Grundstein für eine Firma zu legen, die mit Werkzeugen handelt. Ende der 60er Jahre stellt seine Firma bereits selbst Werkzeuge her und verkauft sie europaweit, sogar in die Republik Irland, deren Wirtschaft ganz langsam in Schwung kommt. Bruder John bleibt mit der Familie – noch im Jahr der Hochzeit wurde Tochter Maura geboren – im Norden Irlands, wo es ihnen dank der Zuwendungen Donalds einigermaßen gut geht. Jedenfalls im Gegensatz zu vielen anderen Katholiken, deren Arbeits- und Wohnungssituation unter der protestantischen Diskriminierungspolitik katastrophal ist.

Langsam organisiert sich Widerstand gegen die Lebensbedingungen der Katholiken in Nordirland und 1967 wird eine Bürgerrechtsbewegung gegründet, die auf legalem Weg die soziale und religiöse Diskriminierung beenden will. Ihre friedlichen Protestaktionen werden von der nordirischen Polizei und den protestantischen Organisationen bekämpft.

Nordirland, Derry 12. August 1969

Die orangistischen Apprentice Boys of Derry (protestantisch) feiern mit einem Umzug den Widerstand der Stadt gegen den katholischen König James II. im Jahr 1689. Sie skandieren Hasstiraden gegen die Katholiken und rufen dazu auf, sie zu vertreiben. Die Stimmung heizt sich auf. Einige Anführer stürmen vorneweg in Richtung des katholischen Viertels Bogside – die Masse folgt ihnen. Die Bewohner des katholischen Viertels haben sich hinter Barrikaden verschanzt, gegen die die Angreifer vergeblich anstürmen. Die Polizei schießt mit Gasgranaten in die Bogside, und die Bewohner wehren sich mit Molotowcocktails. „Throw well, throw Shell“ ist eine der beliebtesten Parolen während der Schlacht. Ebenfalls beliebt war die Nachricht an den Milchmann, dass er 200 Flaschen abstellen solle, allerdings ohne Milch.

Einer der Männer, die hinter den Barrikaden den Widerstand organisieren, ist John Keane. Offensichtlich genießt er bei den Männern und Frauen hohes Ansehen. Bei den andauernden Kämpfen gibt es zahlreiche Verletzte. Unter den verängstigten Kindern, die sich in der Kirche St. Eugene´s Cathredal verbergen, befindet sich die elfjährige Maura Keane.

Bogside, Derry, Pfarrsaal 14. August 1969

Keane und Martin McGuiness, ein 18 jähriger Metzgergeselle, betreten den mit Verletzten überfüllten Saal mit erhobenen Fäusten. Sie geben bekannt, dass die Angreifer sich zurückgezogen hätten. Die Anwesenden applaudieren. Keane und McGuiness gehen zu einem der verletzten Männer (O’Casey), dem Maura etwas zu trinken einflößt. Keane schickt seine Tochter weg. Die Männer unterhalten sich: Drei Tage hätten Sie durchgehalten, aber ohne Waffen würden sie es nicht noch einmal schaffen. Aber die IRA sei schwach, man könne sie auch I Run Away nennen (die IRA existierte praktisch nicht mehr), sie könne ohne Waffen nichts ausrichten und die Kämpfe gingen jetzt in Belfast weiter. Die Männer sind sich einig, dass sich etwas ändern müsse. McGuinness meint, wenn die Sinn Féin (katholisch nationalistische Partei) und die Republik Irland sich weigere, die Männer zu bewaffnen, müsse man es eben selbst tun. (McGuiness wurde zwei Jahre später im Alter von zwanzig Jahren Führer der IRA-Bataillone in Derry.) Ein weiterer Mann kommt hinzu und teilt mit, dass englische Einheiten in der Stadt seien. Die Anwesenden reagieren unterschiedlich: Die Palette reicht von erlöst bis skeptisch.

Derry, 30. Januar 1972

Eine Demonstration gegen die Internierungspolitik der Engländer. Donald Keane kämpft sich durch die Reihe der Demonstranten. Er versucht, in eine Seitenstrasse zu entkommen, wird aber von Gegendemonstranten und Polizei daran gehindert. Eine britische Fallschirmspringereinheit eröffnet das Feuer. Die unbewaffneten Demonstranten laufen in Panik davon. Viele von ihnen werden von hinten erschossen. D. Keane kann entkommen, fragt sich nach John durch. Das erweist sich als nicht einfach, weil er kaum jemand kennt und die Leute misstrauisch sind. Völlig erschöpft erreicht er am Abend den Unterschlupf von John. John dankt Donald, dass er trotz der Gefahr gekommen ist, aber die Eskalation an diesem Tag habe niemand voraussehen können. Jetzt gehe es darum, seine Frau und Maura in Sicherheit zu bringen. Donald will sie nach Dublin bringen.

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